8 Anregungen zur Erstellung eines Mobilitätskonzeptes für Echternach

Vorschlag seitens Intra Muros asbl

21. August 2006

Diese „8 Anregungen zur Erstellung eines Mobilitätskonzeptes“ sind eine Konsequenz der Überlegungen „Gemeinsam ein nachhaltiges Mobilitätskonzept erstellen“ die seitens Intra Muros am 7. August veröffentlicht wurden.

Allgemein neigen Debatten über kommunale Verkehrspolitik sehr schnell zu emotionalen Ausbrüchen und ganz oft zu pauschalen Forderungen, die eigentlich nur Scheinlösungen sind.

Dem gilt es entgegenzuwirken und die jetzt vorhandene einmalige Chance zu nutzen, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, in Fragen der Mobilität die eigene Zukunft zu gestalten.

Echternach soll zur Modellstadt einer modernen zukunftsweisenden Mobilität werden!

Was ist ein Mobilitätskonzept?

Für Intra Muros ist die Erstellung eines Mobilitätskonzeptes wesentlich mehr als eine Auseinandersetzung mit dem Automobil. Es ist vielmehr eine vernetzte Planung von Siedlungsentwicklung, Verkehr und Umwelt. Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer, öffentlicher Transport und Automobil sind in einem ausgeglichenen Verhältnis zu berücksichtigen.

Diese vernetzte Planung ergibt dann ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Mobilitätskonzept, das die Anforderungen von heute berücksichtigt und wegweisend für morgen sein kann.

Anregung 1: Neuer Schwung für das Stadtzentrum.

Die Schaffung eines attraktiven Stadtzentrums stellt eine Herausforderung für jegliche Kommunalpolitik dar.

Ein lebendiges, ein zum verweilen einladendes Zentrum bedeutet eine Attraktivitätssteigerung für alle Betroffenen. Ein lebendiges Zentrum ist meist ein gutes Zeichen dafür, dass es in einer Kommune insgesamt gut geht und die Einwohner sich Wohlfühlen.

Ein nachhaltiges Mobilitätskonzept ist eine der Grundvoraussetzungen zum Erreichen dieses Zieles.

Diese Grundvoraussetzung muss gekoppelt sein mit einer Stärkung des lokalen Einzelhandels und einer zukunftsfähigen Orientierung der Tourismus- und Kulturpolitik.

Anregung 2: Mobilitätsplanung nur mit Bürgerbeteiligung.

Verkehrsplanungen sind komplexe Prozesse. Professionelle Verkehrsexperten erarbeiten Vorschläge, die politisch Verantwortlichen treffen die Entscheidungen.

Allzu oft werden die vielleicht wichtigsten Experten beim Planen solcher weit reichenden Entscheidungen außen vor gelassen: die Bürger. Ihre tagtäglichen Erfahrungen sind von nicht zu unterschätzendem Wert.

Die Form der gewählten Bürgerbeteiligung hat einen großen Einfluss auf das Endresultat. Eine traditionelle Scheinbeteiligung ist abzulehnen. Es gilt die Chance zu nutzen mit innovativen Verfahren „moderne“ Formen der Bürgerbeteiligung zu praktizieren.

Wesentliche Merkmale hierfür sind: Bürger müssen frühzeitig, intensiv und kontinuierlich über den gesamten Planungszeitraum einbezogen werden; sie sind kommunikativ, d.h. es wird konsequent versucht, jedem Beteiligten die gleiche Chance einzuräumen; sie sind konsensorientiert, d.h. sie wollen die bestehenden Probleme bewältigen dies unter möglichst großer Berücksichtigung aller Interessen.

Ein Beteiligungsprozess nach dem Modell einer Zukunftswerkstatt wäre ein ernsthaft anzustrebender Prozess.

Die Zukunftswerkstatt ist eine von Robert Jungk begründete Methode, die Phantasie anzuregen, um neue Ideen oder Lösungen allgemeiner gesellschaftlicher Probleme zu entwickeln. Sie bedarf einer Betreuung durch geschulte Moderatoren.

Resultate, die durch eine Mitwirkung der Bürger erreicht werden, führen zu einem hohen Akzeptanzfaktor und einem problemloseren Durchführen.

Anregung 3: Von guten Beispielen lernen.

Bürgerbeteiligung ist wesentlich mehr als ein Schlagwort. Dem betroffenen Bürger muss aufgrund von konkreten Bürgerbeteiligungsbeispielen aufgezeigt werden, was es von Mitsprache- und gar Entscheidungsmöglichkeiten es gibt.

Mobilität beginnt in den Köpfen. Gut funktionierende Beispiele sind dafür von Bedeutung. Sie zeigen, dass neue Formen einer nachhaltigen Mobilität leicht verständlich und gut umsetzbar sind.

Kurzfristig sollten in öffentlichen Versammlungen mit Vertretern aus anderen Gemeinden einige Erfahrungswerte ausgetauscht werden. Den Blick über den Tellerrand wagen, kann eigentlich nie schaden. Oft sieht man durch eine „best praxis“ Realität, dass Verkehrsprobleme lösbar sind, wenn sie nach systematischen Gesichtspunkten durchleuchtet werden und keine Tabus bezüglich der Maßnahmen gelten.

Anregung 4: Regionale Attraktivität stärken.

Echternach muss durch eine zu steigernde Attraktivität seine Rolle als Anziehungspunkt der Region stärken. Besonders sein Zentrum mitsamt seiner Fußgängerzone müssen immer eine „Einkaufs“reise wert sein. Die Verbesserung der Mobilität kann hierzu entscheidend beitragen. Eine konsequente Kooperation mit den regionalen Gemeinden und Körperschaften ist anzustreben.

Anregung 5: Die Sommermonate – der Ausnahmezustand.

Fast als Ausnahmezustand ist das Verkehrsaufkommen in den Sommermonaten zu bezeichnen. Ein besonderes Augenmerk muss auf diese zeitlich begrenzte Phase gerichtet werden. Es wäre verwunderlich, falls hier keine Erfahrungswerte und Maßnahmen in anderen Gemeinden vorlägen. Sie wären jedenfalls eine Bereicherung an der Ideensammlung zwecks Lösung dieser Sachfrage.

Urlaubsorte die eine zukunftsfähige Mobilität in das Zentrum von Angebot und Werbung stellen, werden die Gewinner von Morgen sein.

Anregung 6: Mobilitätskonzepte für Industriezone und Schulen.

Echternach besitzt eine nationale Industriezone. Leider wurde es bisher unterlassen, gemeinsam mit den Betrieben ein Mobilitätskonzept für die dort Angestellten zu erstellen. Ein runder Tisch mit allen direkt Betroffenen könnte die Idee eines Betriebs-Mobilitätsmanagements in die Wege leiten. Analyse der Wohnorte der Angestellten, der Arbeitszeiten, Möglichkeiten des öffentlichen Transportes, Einsetzung von Zielbussen, Car-Sharing, Job-Tickets sind einzelne Stichworte.

Es gilt die Verantwortlichen des Echternacher Lyzeums für die Erstellung eines eigenen Mobilitätskonzeptes zu gewinnen. Mit ihren schon positiven Erfahrungen an Beteiligungsprozessen, wäre das Lyzeum ein wichtiger Partner innerhalb dieses Projektes.

Mobilitätserziehung ist eine pädagogische Aufgabe. Hier kommt der Vor- und Primärschule eine wichtige Rolle zu. Gemeinsam mit allen Partnern (Gemeinde, Lehrer, Eltern und Kinder) müsste ein Mobilitätskonzept für diesen Bereich erstellt werden.

Anregung 7: Einen transparenten Zeitplan erstellen.

Das Erstellen eines Mobilitätskonzeptes unter Bürgerbeteiligung erfordert einen transparenten Zeitplan der einzelnen Schritte.

  1. Phase: Was ist ganz konkret der Ist-Zustand des Verkehrsaufkommens auf dem Gemeindegebiet? Wie sieht die jetzt geplante Siedlungsentwicklung für die kommenden Jahre aus? Welche neuen Strassen sind in Planung?
  2. Phase: Welches schätzungsweise zusätzliche Verkehrsaufkommen entsteht durch diese Planungen?
  3. Phase: Was wollen wir als Gemeinde erreichen? Zukunftswerkstatt unter Bürgerbeteiligung. Zu beachten ist eine adäquate Beteiligung von Frauen, Jugendlichen und älteren Mitbürgern.
  4. Phase: Was ist unter den gegebenen „Sachzwängen“ politisch umsetzbar? Bürger und Politiker diskutieren ein mögliches Konzept.
  5. Phase: Entscheidung durch den Gemeinderat.

Anregung 8: Kompetente Partner – eine Grundvoraussetzung.

Kompetente Partner sind eine Grundvoraussetzung für das Gelingen eines modellhaften Mobilitätskonzeptes.

Die organisatorische Federführung müsste bei einem inländischen Büro liegen. Da Mobilität in enger Wechselwirkung zu der Siedlungspolitik steht, wären hier seitens der Gemeinde bestehende Kontakte zu nutzen.

Die Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit der Universität Trier sind auszuloten. Der Universitätsfachbereich Geographie mit seinen Sparten Raumentwicklung und Landesplanung käme als kompetenter Partner in Frage.

Geschulte Moderatoren sind für das Gelingen der Bürgerbeteiligung unerlässlich. Über das Netzwerk der Zukunftswerkstätten wäre schnell ein Kontakt mit einem geschulten Moderatoren-Team in der näheren Umgebung herzustellen.

Fazit.

Aufgrund der sich verschärfenden Probleme in der Verkehrssituation in und um Echternach, gehört der Erstellung eines Mobilitätskonzeptes erste Priorität.

Viele Probleme können nur so einer Lösung zugeführt werden.

Die Gemeindeverantwortlichen sind gefordert, die Erstellung eines solchen Konzeptes in die Wege zu leiten.

Die Bürgerinnen und Bürger sind gefordert ihre Verantwortung im wichtigen Prozess der Bürgerbeteiligung zu übernehmen.

Intra Muros asbl wird in den kommenden Monaten weiter für ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept werben.

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