Ein Leitbild für Echternach: CittàSlow!

Vorschlag für ein Leitbild zum Gemeindeentwicklungsplan
18. September 2007

Die Gemeindeverantwortlichen aus Echternach werden einen Gemeindeentwicklungsplan (PDC) unter Bürgerbeteiligung in die Wege leiten. Dieser Plan soll die zukünftige Entwicklung der Stadt Echternach festlegen.

Dies ist ein wichtiger Schritt!

Die Bürger haben ganz konkret die Möglichkeit, sich an dieser Zukunftsplanung zu beteiligen. Die geplanten Workshops stellen den Rahmen für offene Gespräche und kreativen Ideenaustausch.

In vielen luxemburgischen Gemeinden hat die Ausarbeitung eines solchen „Plan de Développement Communal“ einen neuen Aufschwung bewirkt. Auch für Echternach sollte nach Auffassung der Intra Muros asbl die Chance genutzt werden, eine neue Dynamik zu entwickeln, einen starken Zukunftswillen zu demonstrieren, die Kultur des Miteinanders zu fördern und so eine stärkere Identifikation des Bürgers mit seiner Gemeinde zu erlangen.

Wie alle Kommunen steht auch die Gemeinde Echternach vor neuen Herausforderungen in vielen traditionellen Sachbereichen wie Demokratie, Mobilität, Solidarität, Umwelt, Tourismus, Einzelhandel, Kultur, Flächennutzung oder Infrastrukturen. Hier müssen in den kommenden Jahren Weichen gestellt werden, welche langfristig das Leben in der Gemeinde beeinflussen, die Lebensqualität jedes einzelnen bestimmen werden. Jeder Bürger ist demnach direkt betroffen und sollte sich nicht scheuen, seine Zukunft mitzugestalten.

Die Wichtigkeit eines klaren Leitbildes!

Visionen und zukünftige Zielsetzungen werden seit etlichen Jahren in Form von „Leitbildern“ festgelegt. Ein Leitbild beschreibt den zukünftigen, wünschenswerten Sollzustand. Ein Leitbild legt klar nachvollziehbare Ziele fest, es hat visionären Charakter, darf aber nicht unrealistisch sein. Ein Leitbild koordiniert die Ziele einzelner Sachgebiete. Einzelne Themen müssen sich also an den Vorgaben des Leitbildes richten. Ein Leitbild hat demnach eine klare Orientierungsfunktion für Entscheider und Öffentlichkeit.

Wir sind der Meinung, dass das Erstellen eines solchen Leitbildes für Echternach im gesamten Prozess des Gemeindeentwicklungsplans absolute Priorität hat und den durchaus sinnvollen und begrüßenswerten Workshops vorausgehen sollte.

In einer professionell moderierten „Zukunftswerkstatt“ wäre ein solches Leitbild relativ zügig, beispielsweise an einem Wochenende, zu erstellen. Das Lyzeum in Echternach hat vor zwei Jahren einen solchen Prozess mit viel Erfolg durchgeführt.

Unser Vorschlag: CittàSlow!

Ohne den anstehenden Diskussionen vorgreifen zu wollen, möchte Intra Muros einfach folgenden Vorschlag eines zukünftigen Leitbildes in die Diskussion einbringen: Echternach könnte die erste „Città Slow“ Luxemburgs werden, eine in mancherlei Hinsicht interessante Perspektive, die im Rahmen der Leitbilddiskussion vertieft werden sollte.

„CittàSlow“ ist der Name einer Vereinigung und zugleich ein Label, das Städten zugute kommt, die sich den allgemeinen Kriterien der Vereinigung verpflichten.

Die Vereinigung lebenswerter Städte (www.cittaslow.net) hat sich zum Ziel gesetzt, eine nachhaltige Entwicklung in Städten und Gemeinden unter 50.000 Einwohner zu propagieren. Die aus Italien stammende Bewegung wählte als Symbol ganz bewusst die Schnecke. „CittàSlow“ und Schnecke stehen allerdings nicht für Langsamkeit im platten Sinne. Der Begriff bedeutet auch keineswegs, dass sich alles langsam bewegt. Dies würde wohl kaum von geistiger Beweglichkeit zeugen, von Phantasie und Visionen ganz zu schweigen und die werden in einer „CittàSlow“ ganz besonders gefördert.

Der Begriff „CittàSlow“ steht für lebens- und liebenswerte Gemeinden, für das Bewusstsein das tägliche Leben im richtigen Rhytmus anzugehen, in all seinen Aspekten zu geniessen und die Traditionen zu pflegen. Der Begriff steht gegen die Fast-Hysterie in unserem Leben, er steht für die Entdeckung der Langsamkeit!

Die Vereinigung „CittàSlow“ der Städte wie Orvieto (Italien), Hersbruck (Deutschland), Ludlow (England), Lagos (Portugal) oder Silly (Belgien) angehören, sieht in ihrer Charta 8 große Ziele vor, welchen die Mitgliederstädte sich verschreiben:

  1. Nachhaltige Umweltpolitik (Innovative Technologien, Schonung der Ressourcen, regionalverträgliche Konzepte).
  2. Charakteristische Stadtstruktur (Stadterneuerung, zukunftsorientierte Flächenerschließung, Stadtgeschichte als Entwicklungspotential).
  3. Gastfreundschaft (Qualitätsorientierte Gastronomie, Städtepartnerschaften, Weltoffenheit und Herzlichkeit).
  4. Kultur und Traditionen (Wahrung von lokalen und regionalken Besonderheiten, Förderung von Veranstaltungen, kulturelle Einrichtungen).
  5. Typische Kulturlandschaft (Vielfalt, Eigenart, Schönheit).
  6. Regionaltypische Produkte (Traditionelle Herstellung, natürliche Produktion, kurze Wege).
  7. Regionale Märkte (Direktvermarkter, Wochenmärkte, regionale Wirtschaftskreisläufe).
  8. Bewusstseinsbildung (Information, Geschmacks- und Sinnesschulung, regionale Identität).

Diese Ziele könnten durchaus an unsere Situation angepasst in ein zu erstellendes Leitbild für Echternach einfließen.

Der unvergessene Carlo Hemmer beschrieb es in seinen anekdotischen Reisen: Echternach haftet das Image des etwas Langsameren an. Ein Image, das wir durchaus positiv nutzen könnten und sollten.

Die realistischen und erreichbaren „CittàSlow“ Kriterien zeigen uns den Weg zu einer neuen Lebensqualität, die eine Attraktivitätssteigerung bedeutet für die, die hier leben und nicht zuletzt für Touristen und Besucher.

Echternach die erste „CittàSlow“ in Luxemburg, welch ein positives Image, welch ein Werbefaktor!

Mitgeteilt 18.9.2007

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