Eine Begegnungszone für Echternach?

Vereinigung Intra Muros organisierte Informationsabend zum Thema Mobilität

Vorgestelltes Modell sieht Gleichberechtigung für sämtliche Verkehrsteilnehmer vor

VON NADINE SCHARTZ

Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Forum 2020“ organisierte die Vereinigung Intra Muros am Mittwochabend einen Informations- und Diskussionsabend unter dem Motto „Eine Begegnungszone für Echternach?“. Thematisiert wurden dabei vor allem die Verkehrsberuhigung und die Sicherheit – ein Thema, das gerade in der Abteistadt regelmäßig für Diskussionen sorgt.

Als der Echternacher Gemeinderat sich im Mai 2006 für die teilweise Schließung des Marktplatzes ausgesprochen habe, seien die Meinungen auseinandergegangen, heftige, kontroverse Diskussionen seien auf der Tagesordnung gewesen, betonte Intra-Muros-Präsident Raymond Becker. Die Vereinigung hingegen habe sich von dieser „Schwarz-weiß-Diskussion“ distanzieren wollen und sich deshalb überlegt, wie man die Gesamtsituation verbessern könne.

In diesem Zusammenhang sei die Idee, ein Mobilitätskonzept auszuarbeiten aufgekommen. „Wir wollen allerdings weg von der autofixierten Diskussion, denn Mobilität ist mehr als nur Autoverkehr“, betonte Becker. Betroffen seien zudem der öffentliche Transport, Fahrradfahrer, Fußgänger und Menschen mit Einschränkungen.

In dem Konzept sollten sämtliche Verkehrsteilnehmer, wie es bereits in anderen Städten in den Niederlanden und der Schweiz funktioniert, gleichberechtigt werden. Eine solche Modellstadt wurde in einem zehnjährigen Programm zwischen 1996 und 2006 in der Schweizer Stadt Bern, 25 Kilometer östlich von Bern umgesetzt – ein Projekt, das sich laut Meinung von Ulrich Steiner, Leiter der dortigen Baudirektion, gelohnt hat. Zwar konnten die „hochgesteckten“ Ziele nicht erreicht werden, dennoch seien das Geschwindigkeitsniveau und der motorisierte Verkehr um 16 Prozent gesunken und der Fahrradverkehr um sieben Prozent gestiegen.

Zudem herrsche seit der Einführung der sogenannten Begegnungszone ein friedliches Verkehrsklima. Einen ernsten Unfall habe es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Unter anderem wurden in einer Flanierzone rund um die Hauptgeschäftszentren Tempo-20-Zonen verwirklicht, Zebrastreifen wurden abgeschafft, wodurch der Fußgänger die Straße überall überqueren kann und zur Förderung des Fahrradverkehrs wurde eine Station mit Hauslieferdienst, Expresskurier, Werkstatt, Vermietung und Bewachung auf die Beine gestellt. „Es gibt keine Unterschiede unter den Verkehrsteilnehmern. Jeder muss auf den anderen Rücksicht nehmen“, gab Ulrich Steiner zu verstehen (Details unter www.burgdorf.ch).

Auch die Sécurité routière hat sich bereits mit einem ähnlichen, in den Niederlanden angewandten „Shared-Space“-Konzept befasst. Laut Direktorin Isabelle Medinger, die kurz auf das Projekt einging, wolle die Sécurité routière diese Idee vorantreiben, um diese auch in Luxemburg umzusetzen.

Inwiefern dieses Modell allerdings auf die Stadt Echternach passt, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Raymond Becker zeigte sich allerdings überzeugt davon, dass die vorgeschlagene Idee weiterentwickelt und diskutiert werden sollte. So könnte die Stadt Echternach durch ein innovatives und neues Projekt nach außen gebracht werden.

erschienen im Luxemburger Wort Ausgabe: Nr.86 Datum: Freitag, den 11. April 2008 Seite: 43

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